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Matthias Politycki Radio

Leseprobe

Die Frau mit dem Schatten
Minimusikalkomödie (Opernlibretto)


(Textprobe vom Anfang)

1. Szene: „In diesem heil’gen Hallen
    kennt man die Schatten nicht.“


(Auf dem Sofa, von einer Stehlampe beschienen, schläft der Klarinettist: den Schlips auf Halbmast gezogen, den obersten Hosenknopf geöffnet, die Füße plaziert auf dem Couchtisch, die Hände – auf dem Instrumentenköfferchen. Linksrechts des großen grellfarbenen Aufklebers „The Horny Jazz Messengers“.
Aus der rechten Tür tritt seine Frau (die Bluesröhre) – geduscht, gefönt, geschleckt – und energischen Schrittes schleppt ihre pralle Reisetasche durchs Zwielicht. Läßt sie ostentativ fallen inmitten des Zimmers, schnüffelt pikiert. Geht ans Fenster, reißt mit entrüstetem Ruck den Vorhang zur Seite -, auf dem Sofa schreckt man zusammen, das Klarinettenköfferchen poltert parterre. Sie steht am Fenster – flau fällt der frühe  Morgen auf die Häuserfront gegenüber – blickt hinaus, singt:)

     Schon damals, da flog mir ein Schatten
     - nicht selten g’rad! – übers Gesicht ...
     Und ich haß! ihn dafür.
     Ja: ich haß! ihn dafür.
(dreht sich zum Sofa)
     Doch heute, nach so vielen Jahren
     mit ihm: dem „geliebten Gatten“,
(schleicht auf ihn zu, immer leiser und drohender singend)
     bin ich bloß noch ein Schatten
     meiner selbst.
(zischelt dem Schläfer ins Ohr)
     Und ich haß! dich dafür.
     Ja: ich haß! dich dafür.
(Keinerlei Anstalten jedoch trifft der „geliebte Gatte“; sie stemmt die Arme kurz auf, stöckelt auf die Stehlampe zu, macht ihrem Leuchten mit schnurwärts streng schalterwärts zuckender Hand ein Ende.)
Bluesröhre (leise, „zärtlich“, noch in derselben Melodie):
‚Nen wunder-wunderschönen
(schreit)
guten Morgen!
(...)

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